Die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter!

Bastian Wilkat hat dazu aufgerufen, die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter zu definieren und hier nun meine Antwort:

Kann es nicht geben!

Aus, Maus, Fertig ist mein Beitrag für die Blogparade von „The New Worker„.

So kurz kann und darf die Antwort natürlich nicht sein. Nicht, weil es unhöflich gegenüber dem Initiator und den Lesern wäre. Im Gegenteil: Schnell gelesen, klare Aussage, nächster Punkt. Wir leben schließlich alle in einer eng getakteten Zeit; nicht zu vergessen die permanente Informationsüberflutung und die Bedienung der unzähligen Kommunikationskanäle – privat und beruflich.

Die Antwort muss natürlich länger ausfallen, denn wir leben in einer Zeit, in der es immer wichtiger wird, dass sich Menschen und Unternehmen damit auseinandersetzen, wie sie mit der wenigen verfügbaren Zeit, der Informationsüberflutung und den unzähligen Kommunikationskanälen überleben. Immer mehr Menschen werden zu Wissensarbeitern – ob sie es wollen oder nicht. Aber die Antwort was ein Wissensarbeiter ist, wird nicht einfach sein.

Wissensarbeiter gab es schon immer, nur nicht so viele!

In der Vergangenheit wurden eher wenige Berufe genannt, deren Akteure man als Wissensarbeiter bezeichnete. Allen voran natürlich Wissenschaftler, wahrscheinlich auch Journalisten (nicht alle) und Außendienstler. Der Leser zuckt! Außendienstler sind Außendienstler, aber keine Wissensarbeiter. So! Warum gibt es dann aber CRM Systeme? Genau: dass Wissen des Außendienstmitarbeiters seinen Gehirnwindungen entreißen und dem Unternehmen zu geben.

Wissensarbeiter im Park

Ein Abgrenzung, was ein Wissensarbeiter ist und was nicht, ist schwer. Die Automatisierung nimmt immer mehr zu. Das trifft die Mitarbeiter in der Produktion genauso wie in allen anderen Bereichen des Unternehmens. Computer übernehmen immer mehr Aufgaben. Prozesse werden so optimiert und die IT-Systeme so flexibel und „intelligent“, dass der Mensch für viele Aufgaben nicht mehr gebraucht wird. („Die Digitalisierung gefährdet die Routine-Jobs der Wissensarbeiter”).

Wissensarbeiter sind also diejenigen, die durch die Digitalisierung noch nicht vollständig wegrationalisiert sind. Wissensarbeiter arbeiten vor allem mit ihrem Kopf bzw. mit dem, was sich dort durch Schule, Ausbildung und Erfahrungen angesammelt hat. Wissensarbeiter übernehmen Aufgaben, die Computer nicht (weil sie dafür noch zu „dumm“ sind) oder nur sehr aufwendig (wenn der Einsatz des Computers teurer ist wie der neu eingestellte Wissensarbeiter) erledigen können.

Wissensarbeiter = kreative Menschen?

Wissensarbeiter sind kreative Menschen. Halt, Stopp! Korrekt muss es heißen: Die, die sich ihr Schicksal bzw. ihren Beruf als Wissensarbeiter selbst auserwählt haben, fallen oft darunter – so die landläufige Meinung. Schaut man sich jedoch die drei oben genannten Berufe an und holt sich – nun sind sie als Leser gefragt – im Geiste ein paar Menschen hervor, die man persönlich in diesen Berufsgruppen kennt, so kommt man sehr schnell darauf, dass nicht alle mit dem Label „kreativ“ zu belegen sind. Das bedeutet für den Arbeitsplatz für nicht so kreative Wissensarbeiter, dass dieser auch eher zweckmäßig, aber trotzdem modern und attraktiv sein kann.

Warum diese umständliche Ausführung? Können echte, langjährige Wissensarbeiter (zu denen sich der Autor zählt) nicht einfach kurz und knapp sagen, wie ein Arbeitsplatz für Wissensarbeiter auszusehen hat?

Doch, könnte der Autor schon. Also, der Autor würde dann vor allem sich selbst und seine Anforderungen beschreiben: Notebook, Handy, Büro wahlweise zuhause, in der Bürogemeinschaft, beim Kunden oder im Zug, dazu die neuesten Apps und Gadgets für das Handgelenk – ist zur Zeit en vogue. Mal mit vielen Menschen, mal mit wenigen, z.B. im Park. Wer kann das schon von sich behaupten. Sollte man als echter Wissensarbeiter lieber lassen, schafft nur Neider.

Aber das wäre die Beschreibung, die für eine (oder wenige) Person(en) Gültigkeit hat. So fallen die ultimativen Beschreibungen jedoch sehr häufig aus: Aus der ganz persönlichen Perspektive des Autors. Andere Wissensarbeiter werden weiterhin im Büro sitzen oder jeden Tag beim Kunden sein. Viele Heimarbeitsplatz-Mitarbeiter werden nun zu Wissensarbeitern und bleiben dort sitzen wo sie sind. Und der Außendienst bleibt nah bei seinen Kunden ebenso wie die Berater dieser Welt.

Unternehmen und Mitarbeiter müssen ihre Hausaufgaben machen!

Trotzdem besteht die Herausforderung für alle Akteure aktiv zu werden. Die Wandlung hin zu einer Wissensgesellschaft wird eine Herausforderung für die Mitarbeiter und die Unternehmen. Die Digitalisierung verändert und schafft Gestaltungsspielräume. Unternehmen und Mitarbeiter müssen das als Chance begreifen und diesen Wandel gestalten:

  • Vielfalt statt Einheit!
    Weg mit den Einheitsarbeitsplätzen (oft und gerne gesehen: die Affenboxen in Großraumbüros oder die 6qm Büros mit 2 Tischen im unrenovierten Teil des Geländes). Es wird Mitarbeiter geben, die einen festen Arbeitsplatz im Unternehmen haben wollen, andere wiederum nicht. Aber die, die vor Ort sind, sollen einen schönen und wertigen Arbeitsplatz bekommen.
  • Räume gestalten!
    Offener, heller, auch bunter (wie auch immer das jede/r für sich definiert) müssen Räume werden. Es ist erschreckend, wie lieblos viele Arbeitsplätze gestaltet sind und wie statisch, spartanisch zweckmäßig und militärisch diszipliniert Besprechungsräume sind. Furchtbar! Viele Schulungsräume sind noch so eingerichtet, wie man sie in den 90iger Jahren wegen der großen Röhrenmonitor gebraucht hat – in Reih und Glied, eng an eng und mit alter Tapete an der Wand. Respektlos gegenüber den eigenen Mitarbeitern ist das!
  • Mobilität gestalten!
    Mobile Nutzung von Computern ist mehr als E-Mail. Wenn schon Digitalisierung, dann bitte so, dass man die Aufgaben mit (fast) jedem Gerät und von jedem Ort aus erledigen kann. Heute zuhause, dann den PC an, morgen im Büro das Notebook und im Zug das Tablett.
  • Akzeptanz schaffen, Vertrauen aufbauen!
    Gerne wird man schräg angeschaut, wenn man mit dem Notebook auf der Parkbank sitzt und E-Mails beantwortet. Eine Aufgabe, die man eigentlich nur sinnvoll und produktiv in der Affenbox erledigen kann – denken sich noch immer viele Vorgesetzte und einige der Kollegen (meist die, die hoffen, durch Nachahmung dem Vorgesetzten in der Karriere zu folgen).
  • Nähe anbieten, Distanz ermöglichen!
    Mit soviel Offenheit und Vielfalt können einige Unternehmen nicht umgehen. Aber es wird die Kunst der Gestaltung moderner Arbeitsplätze für Wissensarbeiter sein, genau die Mischung aus Nähe und Distanz in all ihren Facetten zu ermöglichen.

Vielen glauben, dass Google, Apple und Co komplett mobil sind und alle ihre Wissensarbeiter nur noch von zuhause oder am Strand arbeiten. Im Gegenteil: Die beiden Unternehmen bauen riesige Areale, damit möglichst alle Wissensarbeiter an einem Ort sind. Aber diese Ort machen sie so attraktiv wie möglich: Flexible Büros, hell und offen. Sind bei uns Meetings negativ belegt, gibt es dort an jeder Ecke Bereiche um sich zu treffen, auszutauschen oder um etwas zu entwickeln. Zu dem einen muss man, zu dem anderen möchte man.

Viele Wissensarbeiter haben viele Ansprüche!

Es gibt nicht den einen Arbeitsplatz für Wissensarbeiter. Aber es gibt die Möglichkeit, dass immer mehr Menschen sich ihren Arbeitsplatz aussuchen. Und Unternehmen müssen weggehen von ihrem Einheitsdenken, begründet aus Kostengründen sowie dem permanenten Misstrauen, und vielfältige und attraktive Arbeitsplätze für ihren neuen und alten Wissensarbeiter einrichten.